

Da freuen sich die Finnen aber. Während sie gerade den Soundcheck beendet haben und die Bühne verlassen, wartet Mute-Mitarbeiter Paul Smith, der sich zufällig in der Stadt befindet, auf die beiden Musiker und drückt ihnen die neueste Kopie des geschmackssicheren englischen Musikmagazins "The Wire" in die Hand. Auf dem Cover: Ilpo Vaisanen und Mika Vainio alias Panasonic. Erfreut über derartige Publicity, zieht es die beiden ins Karribische Restaurant um die Ecke, wo ich bei ein paar kubanischen Bier Gelegenheit habe, den beiden auf die nordische Pelle zu rücken.
?: Ich wurde gewarnt, daß ihr nicht gerade sehr redselig seid.
Mika: Das ist schon komisch. In Finnland beschweren sich unsere Freunde immer, daß wir zu viel reden. Im Europa beklagt man sich hingegen, daß wir angeblich kaum den Mund aufbekommen.
?: Ist vielleicht ein Sprachproblem?
Mika: Nein, ich glaube eher ein Mentalitätsproblem.
?: Glaubt ihr denn, daß eure Heimat Finnland auch ihren Einfluß auf eure Musik hat?
Ilpo: Sicher beeinflußt uns unsere Umgebung. Ich denke, das ist immer so. Ich könnte dir jetzt allerdings keine konkreten Dinge nennen, wie sich Finnland in unseren Songs wiederspiegelt.
?: Schweden ist bekannt für Dance-Pop wie Ace Of Base oder Dr. Alban. Norwegen hatte - äh - Aha, und bei Finnland kommt einem nur minimale Elektronik in den Sinn, wenn man an Populärmusik denkt, die außerhalb der Landesgrenzen bekannt ist. Habt ihr eine Erklärung dafür?
Mika: Ich glaube, das ist alles purer Zufall. Irgendwie hat es ein Label namens Sähkö mit seinen eigenartigen Veröffentlichungen vor einigen Jahren halt geschafft, Aufmerksamkeit in bestimmten Musikkreisen zu erregen. Aber das ist keine große Bewegung. Finnland ist eher bekannt für Metal- und Punkbands. Aber uns kennt dort niemand. In Ländern wie England oder Deutschland interessieren sich viel mehr Leute für unsere Musik.
?: Jimi Tenor (Link zum Wildpark-Interview) ist neben euch momentan der bekannteste finnische Musiker. Auch er war wie ihr bei Sähkö. Habt ihr Kontakt zueinander?
Mika: Na ja, wir wohnen ja alle derzeit hauptsächlich in England, und da läuft man sich zwangsläufig über den Weg. Aber Jimi treibt sich jetzt meist in Sheffield rum, weil da auch sein Label Warp ist. Allzu engen Kontakt haben wir nicht.
?: Wie ist eigentlich euer Verhältnis zu dem Berliner
Club Panasonic?
Mika: Sehr gut, von dem haben wir nämlich unseren Namen. Ilpo und ich waren mal vor einigen Jahren in diesem winzigen Club namens Elektro, und der hatte so ein Panasonic-Schild rumstehen. Das haben wir gesehen und gedacht: guter Name. Schließlich ist dann auch das Elektro umgezogen und hat sich fortan ebenfalls Panasonic genannt.
?: Hattet ihr noch nie Probleme wegen des Namens?
Ilpo: Ich glaube, bislang ist noch niemand von der Firma Panasonic auf uns gestoßen. Um etwas sicherer zu gehen, verwenden wir auf unserem neuen Album "Kulma" auch nicht mehr den echten Panasonic-Schriftzug. Der ist nur noch auf unseren T-Shirts zu sehen.
?: Und was würdet ihr machen, wenn Panasonic einen eurer Songs für ihre Werbung klauen würden?
Ilpo: Mmmh, damit müßten wir uns wohl abfinden, nachdem wir auch ihren Namen geklaut haben. Aber ich würde es vermutlich davon abhängig machen, ob mir der Werbeclip gefällt oder nicht.
?: Ihr benutzt ausschließlich analoges Equipment.
Warum?

Mika: Ach, das klingt einfach wärmer und menschlicher. Wir fühlen uns mit analogen Synthesizern halt wohler. Allerdings benutzen wir schon gelegentlich digitale Effekte. Doch das versuchen wir in Grenzen zu halten.
?: Ihr habt bereits einen Remix für Björk gemacht. Sind weitere Kollaborationen in Planung?
Mika: Das hört sich jetzt sehr geheimnisvoll an, aber wir dürfen darüber noch nicht sprechen. Es ist wirklich interessant, aber wir haben versprochen, vorerst Stillschweigen zu bewahren.
Eure Beiträge und Kommentare:
05.03.1997
Klasse
Wirklich klasse der Artikel. Glueckwunsch!!!!!!!
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s0171293@fhtw-berlin.de 20.03.1997
genau richtig
panasonic sind nach mika vaino der wahrscheinlich geilste act auf dem noch geileren SÄHKÖH label
die finnen definieren minimalismus neu
respekkt
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timbo@mlab.uiah.fi 03.04.1997
kommt und sehet
wer nach finnland kommt und sieht und hoert wie sich hier alles so bewegt, benimmt und brummt,
dann darf man ueberhaupt nicht erstaunt sein, dass panasonic so klingen.
komisch nur dass sie selber da keinen konkreten bezug nennen koennen.
ich wohne seit drei monaten hier und ihre musik ist der ideale soundtrack, wenn man hier nur aus dem fenster guckt
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