

Der Blaumeisenliebhaber und passionierte Skifahrer Dorau klaute rabenartig sämtliche Samples und ließ sie nicht clearen.
?: Der Titel deines neuen Albums "70 Minuten Musik ungeklärter Herkunft" ist eine Anspielung darauf, daß du dir für die verwendeten Samples nicht die Erlaubnis des Urhebers hast geben lassen. Das kann doch mächtig Ärger geben oder?
Dorau: Ja, sicher kann das Ärger geben. Aber erfahrungsgemäß
werden Leute erst auf den Plan gerufen, wenn eine Platte
ein Hit ist, also sich 100.000 mal verkauft oder so.
Meine letzten Singles haben sich aber nur so 20.000
mal verkauft, vom letzten Album gingen erst 10.000
über die Ladentische (interessant, wie konsequent
sich der junge Mann seiner relativen Erfolglosigkeit
verbunden fühlt!; Anm. d. Red.). Da kommt noch
nicht so viel Geld bei rum, als daß es sich für
jemanden lohnen würde, Ärger zu machen. Hoffe
ich zumindest. Meine Plattenfirma weiß natürlich
auch davon, sie sind also auf alles vorbereitet. Aber
ich verstoße mit meinem Sampling auch nur gegen
das Leistungsschutzrecht und nicht gegen Kompositionsrechte
- das ist eine ziemlich komplizierte Angelegenheit.
?: Und wie stehst du dazu, wenn dich jemand samplen würde?
Dorau: Das kommt ganz darauf an, wie es gemacht wird. Generell hätte ich damit sicher keine Probleme. Wenn ich etwas sample, muß das auch noch lange nicht heißen, daß ich das Original gut finde. Das ist keine Ehrerweisung, da geh ich eher pragmatisch ran. Wenn ich beispielsweise ein Vocalsample benutze, reiße ich es aus seiner ursprünglichen Bedeutung heraus und baue eine eigene Geschichte drum herum.
?: Was hast du denn in den letzten beiden Jahren getrieben? Dein Album war ja schon eine Weile überfällig.
Dorau: Ich war krank, hatte einige Krisen und kam nicht richtig
voran. Ich fand mein letztes Album wirklich gut und
steckte in dem Dilemma, daß ich zwar etwas anderes
machen wollte, aber den Stil auch nicht zu sehr ändern
wollte. Irgendwann schlug mir dann die Plattenfirma
vor, ich solle doch mal mit Ramon Zenker zusammenarbeiten.
Der hat zwar auch schon viele schreckliche Sachen im
Euro-Dance-Bereich gemacht, aber ich hab es einfach
probiert und schließlich hat es dann auch geklappt.
?: Wie entstehen überhaupt deine Songs?
Dorau: Es fäng meistens damit an, daß ich bei mir zuhause drei Stunden lang intensiv Platten höre und dann die Parts, die mir gefallen, auf Tape aufnehme. Aus diesen Stücken wähle ich nochmal Samples aus, und weil die direkt von der Kassette stammen, rauschen meine Samples auch oft so. Die Musik entsteht dann um die Samples herum. Die Texte wachsen praktisch auch aus kleinen Samples heraus. Ich notiere mir immer Sachen in einem Notizbuch, und aus den Textfragmenten entstehen dann die Songlyrics. Das Gesamtbild entsteht also aus vielen Einzelteilen. Angefangen mit Samplern zu arbeiten, habe ich übrigens 1984/85. Damals hatte Holger Hiller bereits den EMU-1, und das war der erste Sampler, den man sich einigermaßen leisten konnte. Fertig produziert und gemixt werden die Stücke dann im Studio. Das meiste wurde in Berlin bei Tommi Eckert gemacht. Der veröffentlicht ansonsten viele Technosachen bei Harthouse .
?: Ich hab mal gehört, daß du Remixe nur des
Geldes wegen machst.
Dorau: Das ist so natürlich nicht war. Ich habe zum Beispiel einen Mix für Stereo Total gemacht, und das war ein Freundschaftsdienst. Aber für mich ist Musik keine heilige Kuh. Es geht völlig okay, wenn man etwas des Geldes wegen macht, und das war bei meinen Mixen für Blümchen und Baby D. der Fall. Da kann man mit wenig Arbeit viel Geld verdienen. Das ist doch prima.
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28.8 RealAudio-Soundfile: Andreas Dorau: "Girls in Love" ("70 Minuten Musik ungeklärter Herkunft", Motor Music GmbH. 1997)
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14.4 RealAudio-Soundfile: Andreas Dorau: "Girls in Love" ("70 Minuten Musik ungeklärter Herkunft", Motor Music GmbH. 1997)
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