Pippilotti weilt momentan als DAAD-Stipendiatin (Deutscher Akademischer
Austauschdienst) in Berlin: "Berlin war für mich immer wie ein
Märchen. Da gab es so Geschichten wie und da lebte der grüne
König mit seinen Untertanen und da drüben der rote König´."
Zunächst von Kuratoren, Galeristen und Museumsleuten kritisch beäugt
und erstmal gar nicht ernst genommen, produzierte sie ihr erstes Kultvideo
bereits 1984: V01 St. Marxer Friedhof, ohne Ton, 4 Minuten. Zu sehen ist
eine Geburtstagsparty zwischen Gräbern. Mit viel Sirup wurde es sozusagen
vampirisch. Regieanweisung: Alle bewegen sich in Zeitlupe und werden somit
unantastbar für die Polizei!
Ihr nächstes Projekt war der Trickfilm 'Das Gute' von 1986,
mit Ton und in Farbe, in 9 Minuten länge. Es spielt in einem alten
Haus, daß kurz nach einer Chemiekatastrophe hauptsächlich von
Mäusen bevölkert wird.
Den ersten Durchbruch landete sie mit Video Nr.#V03 "I´m not the
girl who misses much", das ein zappelnde, claustrophobisch-exorzistische Pippilotti (ein wunderbarer Künstlername!) in sommernächtlicher Einsamkeit scharf bis unscharf vor der Kamera tanzen läßt, um den Betrachter zu hypnotisieren bis zu entnerven.
Inzwischen ist sie zur Künstlernomadin geworden, die über den
ganzen Erdball jettet, um ihre Videoinstallationen aufzubauen und z.B. im
italienischen Trevi, in Amsterdam, im dänischen Odense, in Martigny,
Oslo oder auf der Biennale Sao Paulo "ohne Respekt vor der Technik
der Sonne im Computer entgegenzureiten und mit der Hirnzunge die Bilder
knapp vor und knapp hinter den Augendeckeln zu mischen."
Pippilotti hat viele Mentoren und moralische Sponsoren, wie etwa Birgit
Kempker, die ihr Fleisch gewordener Traum einer Schriftstellerin ist, ihre
ehemaligen Liebhaber, die alle ein enormes Musikwissen haben, Käthe
Walser, die sie löten, verkabeln und vieles mehr lehrte und natürlich Thomas Rhyner, der ihr den ersten Kuß und die Erkenntnis, daß das Leben ein friedliches Happening sein sollte, mitgab.
Christina Wendenburg